20 Nov Kapitel 1: Warum ich dieses Buch schreibe.

Dieses Buch wird ein Buch über Glück im digitalen Zeitalter. Es handelt davon, wie man mit Hilfe von digitalen Technologien ein gutes Leben führt. Jeder für sich und wir alle für ein besseres Gemeinwesen.

Dass ein Berater für Digitale Transformation ein Buch über Digitales schreibt, kommt nicht unerwartet. Dass er über Glück schreibt, vielleicht schon eher. Dabei hat dieses Buch indirekt einen sehr intensiven Bezug zu meinem Erwerbsleben. Warum das so ist, dazu muss man wissen, was ich als Consultant eigentlich so tue.

Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, Unternehmen bei der Entwicklung zum “Enterprise 2.0″ (manchmal auch „Social Business oder „Industrieunternehmen 4.0“ genannt) zu begleiten. Ein Enterprise 2.0 ist laut Definition des BVDW

ein Unternehmen oder eine Organisation, in dem alle internen und externen Stakeholder (u.a. Mitarbeiter, Kunden, Partner, Anteilseigner) gemeinsam und auf Basis unternehmenseigener Social Software (z.B. Enterprise Social Networks oder Social CRM Systeme) an der Erreichung der Unternehmensziele arbeiten.

Der Einsatz von unternehmenseigener Social Software dient dabei vor allem der Schaffung dialogischer, transparenter und inklusiver Prozesse, die eine Organisations- und Führungskultur ermöglichen, mit deren Hilfe bisher verborgene Effizienz-, Wissens- und Innovationsreserven zur Steigerung der Unternehmensperformance nutzbar gemacht werden können.

Unternehmen nutzen zusehends digitale und „soziale“ Technologien, um die oben erwähnten “verborgene Reserven” zu heben, um besser am Weltmarkt bestehen zu können. Diese digitalen Tools sind ganz wesentliche Helfer beim Umbau unserer Wirtschaft. Dabei sind besondres facebook- und twitterartige Kommunikationsmechanismen wichtige Bestandteile solcher Technologie-Stacks. Aber zusehends auch Apps, Automatisierungstools, Virtualisierungstechniken oder Big Data Technologien.

Viele Organisationen weltweit arbeiten zur Zeit daran, diese Technologien in ihren Prozessen zu verankern, um damit neues Denken und besseres (also effizienteres, innovativeres und flexibleres) Arbeiten zu etablieren. Überall werden neue, sogenannte “soziale” Intranets gebaut, Videokonferenzräume eingerichtet, Smart Phones und VR Brillen verteilt, Facebook-Seiten gelauncht, Roboter enthüllt und Daten gesammelt.

Das geht schief. Oft jedenfalls.

Aber es ist schon jetzt absehbar, dass die meisten dieser Projekte in nächster Zeit ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreichen werden, so zumindest die Unternehmensberatung Gartner:

Gartner, Inc. estimates that through 2015, 80 percent of social business efforts will not achieve the intended benefits

Die Gründe für dieses angekündigte — und meines Erachtens nicht unwahrscheinliche — Versagen sind laut Gartner die folgenden:

There is too much focus on content and technology, and not enough focus on leadership and relationships

Übersetzt heißt das: Unternehmen optimieren zwar ihre digitalen Technologien, um Menschen und ihre Art zu arbeiten, zu verändern — aber diese bleiben davon ungerührt. In bester marxistischer Tradition glaubt man allerorten, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt und sich das erwartete Verhalten durch die Schaffung einer entsprechenden technologischen Basis schon einstellen wird. Aber die Rechnung geht nicht auf.

Denn das Menschenbild solcher Rechnungen sieht den Mitarbeiter als eine Art fernsteuerbaren Golem an der langen, elektrischen Leitung, einen Tropf am digitalen Tropf sozusagen. Klicke ich hier auf „Digital“ folgen dort automatisch „Effizienz“ und „Innovation“, so das Kalkül vieler Organisationen. Aber Menschen, denen über Jahrzehnte beigebracht wurde, dass die IT nervig und Computer schlecht bedienbar sind, macht man nicht von heute auf morgen zu begeisterten Nerds. Schon gar nicht im technologieskeptischen, risikofolgenabschätzenden Deutschland. Nur durch das pure Vorhandensein von Technologie verändert sich nicht. Niemand wird durch einen Server zu einem besseren Mitarbeiter, der den Weltmarkt mit bahnbrechenden neuen Produkten erobert. Dazu gehört wesentlich mehr. Man sollte nicht hoffen, Menschen steuern zu können, sondern man muss versuchen, sie zu bewegen, im Kopf und im Herzen.

Um das zu erreichen muss man meiner Erfahrung nach in einem Unternehmen zumindest drei Dinge tun:

  1. Den Menschen deutlich machen, dass die Veränderung  nicht nur gewünscht, sondern auch notwendig ist.
  2. Die Bedenkenträger und Blockierer, die den Menschen guten Willens im Weg stehen, aus dem Weg räumen.
  3. Dem einzelnen die Frage beantworten: “Was habe ich davon?”

Im Unternehmen ist für Nummer 1 und 2 vor allem der Vorstand verantwortlich. Das Top-Management muss hinter den Plänen stehen, muss deutlich machen, warum diese Veränderungen notwendig sind, das gewünschte Verhalten vorleben, dem mittleren Management ins Gewissen reden — und diejenigen aussortieren, die nicht mitmachen.

Und dennoch bleibt das alles Sonntagsrede und sinnloser Impuls, wenn die Frage nach dem individuellen Nutzen nicht beantwortet wird. Die Motivation von Menschen ist immer persönlich. Es gilt sich mit den Mitarbeitern des Unternehmens hinzusetzen und zu erarbeiten, wie neue Technologie und neues Denken ihnen helfen können, bessere Arbeit zu leisten und damit zugleich das persönliche Vorankommen und die persönliche Zufriedenheit zu fördern. Wir (Berater) nennen das “Anwendungsfälle entwickeln”. Der Anwendungsfall ist unsere Wunderwaffe. Ohne ihn geht es nicht. Er ist die absolut notwendige Unterfütterung des von oben formulierten Anspruchs. Ohne Anwendungsfall kein Wandel. Ohne individuelle Motivation keine Bewegung. Punkt.

Wozu brauche ich das?

Und damit sind wir auch beim Thema dieses Buches. Denn ich bin davon überzeugt, dass auch für unsere Gesellschaft gilt, was für Unternehmen gilt.

Ich glaube nämlich, dass der große technologische Wandel eine große Chance für uns darstellt. Er kann uns helfen, ein “Gemeinwesen 2.0″zu werden  — ein offeneres, partizipativeres, effizienteres und innovativeres Gemeinwesen auf der Suche nach stets besseren Lösungen für ein gutes Leben. Das Gemeinwesen 2.0 ist für die Zivilgesellschaft das, was die Enterprise 2.0 für die Wirtschaft ist. Digitale Lösungen sind für unser Land mindestens so wichtig wie sie es für Unternehmen sind.

Weil wir mit Hilfe von Technologie besser und schneller voneinander lernen können. Weil weniger Arbeit und Engagement doppelt (oder einsam) getan werden muss. Weil wir die Fehler anderer vermeiden lernen können. Weil wir uns gegenseitig mit guten Ideen unterstützen können. Weil es weniger Unfälle geben könnte. Weniger Zeitverschwendung. Und weniger nervige Routinetätigkeiten.

Aber ich glaube eben auch, dass ein solcher Wandel in einer Gesellschaft ebensowenig automatisch geschieht wie in einem Unternehmen; dass das Vorhandensein digitaler und sozialer Medien nicht ausreicht, um uns und unsere Gesellschaft zu verändern. Auch ein solch öffentliches Projekt muss von oben gewollt und vorangetrieben und zugleich auf Bürgerebene gelebt werden, wenn wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln wollen.

Mit dem “von oben” sieht es dabei zur Zeit düster aus. Denn unser Vorstand, aka unsere Regierung, ist meiner Meinung nach weit davon entfernt, das Fortkommen dieser Aufgabe angemessen zu unterstützen. Statt einen Kulturwandel aktiv voranzutreiben und diesen vielleicht sogar vorzuleben, gräbt man Deutschland um. Die Exekutive dieses Landes sieht das Gemeinwesen 2.0 nämlich wie viele Unternehmen eher als eine Art Infrastrukturprojekt. Jedenfalls drängt sich mir dieser Eindruck nach der Lektüre von Dokumenten wie der Digitalen Agenda auf. Wie soll Geld, das zum größten Teil vergraben wird, Menschen zum Sprühen bringen? Megabit ist keine Maßeinheit für die geistige Aktivität und technische Flexibilitöt. So wie auch der Autobahnkilometer niemals ein Maß für nachhaltige Regional-Entwicklung sein wird.

Auf dieses “oben” habe ich persönlich nur begrenzten Einfluss. Durch bewußtes politisches Engagement könnte ich das sicherlich ändern. Aber ich habe recht früh entscheiden, dass der Weg durch die Parteien nicht mein Weg ist. Deshalb will ich mich anders einbringen und dieses Gemeinwesen voranbringen. Mit den Methoden, die ich beherrsche, nämlich mit Kommunikation und Beratung. Ich will mit diesem Buch (dessen Entstehungsprozess dieser Blog abbildet) für unsere Gesellschaft das tun, was ich auch in Unternehmen tue. Ich möchte die besten Anwendungsfälle der Digitalen Transformation für die Zivilgesellschaft, den Alltag und unser Privatleben finden und dokumentieren. Ich will möglichst vielen Menschen zeigen, wie sie von den neuen Technologien und Ideen profitieren können. Wie sie glücklicher werden können. Und dadurch möchte ich möglichst viele Menschen dazu anregen, digitale Technologien für ihren persönlichen Erfolg zu nutzen, um eine Stimme zu haben, um positiv zu wirken, um gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

Ich sehe mich sozusagen als Mitglied eines virtuellen Projektteams, das unser skeptisches Land für Technologie erschließen will, mit Hilfe praktischer und individueller Anwendungsfälle, die den einzelnen überzeugen. Ich will allen zeigen, dass Technologie Ihnen bei etwas sehr wichtigem helfen kann:

Ein gutes Leben zu führen und digitales Glück zu finden. Digital Happiness eben.

Noch eine Anmerkung:

Das Buch, für das ich jetzt endlich einen Vertrag bekommen habe, wird em Ende aus zwei Teilen bestehen. Diesem Essay hier – und einem Ratgeber-Teil, in dem ich digitale Tools und Plattformen und so eine Art Trainingsprogramm für digitales Glück vorstelle. Während ich an diesem zweiten Teil schreibe, sammle ich natürlich eine Menge Material – sogenannte Hacks – die ich in eigenen Blogposts und auf einer Facebook-Seite dokumentiere. Auch um zu sehen, wie sie ankommen und wie nützlich sie für Euch sind. Insofern freue ich mich über Feedback jeder Art.

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