Der Fall Gerald Hensel und was jetzt zu tun ist

Der Fall Gerald Hensel und was jetzt zu tun ist

Der „Fall“ Gerald Hensel – dessen Absichten ich vorbehaltlos unterstütze – bzw. die Reaktionen darauf machen noch einmal sehr deutlich, dass wir unseren Widerstand gegen Rechtspopulismus professionalisieren und „siloübergreifend“ koordinieren müssen.

Die Art, wie wir das bisher betreiben – als eine Abfolge aus mal mehr, mal weniger kreativen und intelligenten Einzelaktionen und gutgemeinten Empörungsposts – kann einer aufgehetzten, potenziell stets aufgeregten Masse nichts entgegensetzen. Individuelle Gutwilligkeit kann einer jederzeit einfach aktivierbaren Bewegung nicht das Wasser reichen.

Das ist aber kein Grund, diese Tatsache klaglos und schicksalhaft hinzunehmen. Und es ist noch lange kein Grund, „Soziale Medien“ zu meiden und dort eine Art abstrakter Generalschuld zu verorten. Diese Medien sind nur Werkzeuge, deren Charakteristika populistischen Akteuren in die Hände spielen, weil sie kostengünstige, jederzeit verfügbare Aktivierungsmöglichkeiten bieten. So wie die frühen Massenmedien seit 33 den Nazis in die Hände spielten.

Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Eine Radiostation kann ich „in meine Gewalt bringen“, eine trotz aller wirtschaftlichen Monopolisierung kommunikativ letztlich dezentrale Infrastruktur nicht wirklich. Nicht der Besitz ist entscheidend, sondern die Nutzung. Und die gilt es jetzt für den Widerstand gegen das, was mich und viele in meinem Umkreis empört, zu optimieren

Allein in meiner Filterblase gibt es Dutzende von klugen und vermutlich gutwilligen Köpfen, die ihr Kommunikationshandwerk exzellent verstehen: Content Strategen, Redakteure, Marketer, Community Manager, SEO-Experten, Planner, Seeder und und und. Dieses geballte Know How sollte doch in der Lage sein, eine Strategie und Kampagnenplanung auf die Beine zu stellen, die Rechtspopulisten die aktuelle „Deutungshoheit durch Masse“ wieder entreißt, oder etwas nicht!? Wir werden ständig angerufen, um Agendas zu setten, Produkte zu verkaufen, Reputationen zu optimieren – da sollte es uns doch möglich sein, einigen bisher selbstverständlichen humanen und sozialen Prinzipien wieder in den Sattel zu helfen, oder etwas nicht? Das muss uns doch gelingen, wenn wir unsere Honorare wert sein wollen!

P.S. Ja, Kommunikation wird das Problem alleine nicht lösen – aber meine / unsere Profession ist ein wichtiger Baustein des Ganzen. Kein Grund also, auf irgendjemanden zu warten.

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