Interaktives Storytelling bei Netflix: Warum es (mich) noch nicht überzeugt

Black Mirror ist, wie vielleicht einige wissen, eine Science Fiction Serie auf Netflix. Es handelt sich um eine Anthologie-Serie, d.h. alle Folgen sind in sich abgeschlossen. Eine dieser Folgen, mit dem Namen “Bandersnatch”, wagte nun ein Experiment und ist ein schönes Beispiel für “interaktives Storytelling”. Passend zum Thema der 1984 spielenden Folge – es geht um die Programmierung eines frühen Videospiels mit alternativen Realitäten – hatten die Zuschauer die Möglichkeit, im Laufe der Handlung einige Entscheidungen per Touch Screen zu treffen, die kleine und große Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Story hatten.

Bitte hier klicken, um Cookies zu akzeptieren und diesen Inhalt zu aktivieren

Ich erwähne das hier aus zwei Gründen:

a) Weil ich der Überzeugung bin, dass Interaktion bzw. Kooperation ein wichtiges Element modernen Storytellings ist. Mehr dazu in meinem Beitrag “Story/CO: Storytelling und Digitale Transformation“.

b) Weil es ein schönes Experiment ist, mich am Ende aber nicht restlos überzeugt. Es ist ein wenig zu mechanisch. Die Einflussmöglichkeiten sind immer nur links vs rechts, ja vs nein, dies vs. das, so als hätte man analoge Knöpfe zur Auswahl. Wahrscheinlich ist “Auswahl” überhaupt das Problem. Ich kann nicht gestalten, ich kann nur wählen. Und dieses binäre Wählen ist dem Medium, der Story, die mich ja letztlich in Ihren Bann ziehen soll, nicht angemessen. Es hält auf und wirkt sogar künstlich. Unter Kooperation im Storytelling verstehe ich mehr. Um zu kooperieren muss ich auch an den Grundlagen mitbauen können, echte Freiheiten haben, meinen Stempel aufdrücken können, um die Geschichte wirklich zu meiner zu machen. Natürlich ist das für das Medium Film zur Zeit noch gar nicht möglich. Zu komplex der Produktions-, zu schwerfällig der Ausspielungsprozess. Deshalb sind Games für Interaktion wohl die bessere Wahl, oder wenigstens Bots, oder Apps, die echten Input verarbeiten können. Eine wirklich kooperative Geschichte darf nicht nur MIT mir enstehen, sie muss DURCH mich entstehen.

Ich weiß, das ist viel gefordert und ich freue mich trotz allem über den Netflix-Versuch. Aber was dieses Thema angeht, gibt es für uns alle in der Kommunikation noch viel Luft nach oben.

Tags:
Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

*

code